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Experten-Talk über Lärmschutz für lebenswerte Räume

Lärm begleitet unseren Alltag – besonders dort, wo Verkehrswege und Lebensräume aufeinandertreffen. Was oft als störendes Hintergrundgeräusch wahrgenommen wird, kann auf Dauer weitreichende Folgen für Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität haben. Gleichzeitig steigen mit zunehmendem Verkehr und dichterer Besiedlung die Anforderungen an einen wirksamen und nachhaltigen Lärmschutz.
Lärmschutzelemente

Doch guter Lärmschutz ist weit mehr als eine Wand zwischen Strasse und Wohnraum. Er beginnt bei einer vorausschauenden Planung und verbindet Schutzwirkung, Wirtschaftlichkeit, Gestaltung und Nachhaltigkeit. Dabei spielen langlebige und vorgefertigte Betonelemente eine wichtige Rolle: Sie lassen sich präzise herstellen, effizient montieren und mit schallabsorbierenden Oberflächen gezielt auf die jeweilige Situation abstimmen.

Wir wollten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Fachpersonen aus Lärmschutz, Planung und Praxis sowie unser interner Experte Stefan Rüegg zeigen auf, welche Herausforderungen heute bestehen, was wirkungsvollen Lärmschutz ausmacht und welche Entwicklungen unsere Verkehrs- und Lebensräume in Zukunft prägen werden.

 

Katharina Conradin

Dr. Katharina Conradin
Geschäftsleiterin Lärmliga Schweiz

Katharina Conradin ist promovierte Geographin und Geschäftsleiterin der Lärmliga Schweiz. Die Lärmliga unterstützt Lärmbetroffene, engagiert sich politisch für einen besseren Lärmschutz und sensibilisiert Fachleute.

Welche Auswirkungen hat dauerhafter Verkehrslärm auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden?

Lärm hat grosse gesundheitliche Auswirkungen. Er steht in direktem Zusammenhang mit vielen sogenannten Zivilisationserkrankungen wie erhöhtem Blutdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aber auch Stress und psychische Beschwerden wie Depressionen oder Ängste können durch Lärm verursacht werden. Diese Effekte sind sehr gut erforscht. Nicht zuletzt leidet die Schlafqualität, was über längere Zeit gravierende Auswirkungen haben kann und beispielsweise Übergewicht oder Diabetes begünstigt. Der Körper reagiert dabei lange bevor wir aufwachen und schüttet Hormone aus, die uns in Alarmbereitschaft versetzen.

Wann wird Lärm zu einem echten Gesundheitsrisiko?

Hier muss man unterscheiden: Einerseits besteht natürlich das Risiko, das Gehör zu schädigen, wenn man einen Beruf hat, bei welchem man viel Lärm ausgesetzt ist, beispielsweise auf dem Bau; oder wenn man bei lauten Konzerten keinen Gehörschutz verwendet. Andererseits besteht ein echtes Gesundheitsrisiko, wenn aufgrund von Strassen oder eben Fluglärm dauerhaft eine hohe Lärmbelastung besteht. Hier haben wir ein Problem: Erst wenn (gemittelte) Schwellenwerte dauerhaft überschritten sind, müssen Massnahmen umgesetzt werden, wie z. B. Lärmschutzwände oder Schallschutzfenster. Für die Menschen, die an stark befahrenen Strassen leben, ist die Belastung aber oft schon viel früher unerträglich. Was oft vergessen geht ist, dass Temporeduktionen eine äusserst kostengünstige und wirkungsvolle Lärmschutzmassnahme sind.

Wie verändert ein wirksamer Lärmschutz die Lebensqualität der Menschen?

Die Lebensqualität steigt enorm an: Durchschlafen, im Garten sitzen und Vogelgezwitscher hören, sich bei offenem Fenster unterhalten. Dies hat direkte Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit von Betroffenen.

Wo sehen Sie aktuell den grössten Handlungsbedarf beim Lärmschutz in der Schweiz?

Einerseits stellt der zunehmende Verkehr ein grosses Problem dar. Dabei dürfen wir nicht nur an die Städte denken, sondern auch an die Agglomerationen, durch die grosse Strassen führen. Da auch der Freizeitverkehr stark zunimmt, sind auch Bewohnerinnen und Bewohner von Alpentälern oder entlang von Pässen stark betroffen. Auch die Verdichtung stellt eine Herausforderung dar: Wo mehr Menschen auf engem Raum zusammenleben, entsteht mehr Lärm. Hier ist es besonders wichtig, vorausschauend zu bauen, denn gute Lösungen sind mit durchdachter Planung möglich. Beispielsweise können Gewerbeflächen auf die stärker vom Lärm betroffenen Gebäudeseiten gelegt werden. Oder die Wohnungsgrundrisse sind so zu gestalten, dass das Schlafzimmer an der stillen Seite liegt.

Hat sich das Bewusstsein der Bevölkerung für das Thema Lärm in den letzten Jahren verändert?

Ich denke schon, dass die Sensibilität gestiegen ist – gerade auch mit dem Bevölkerungswachstum. Allerdings wird derzeit der Lärmschutz auf politischer Ebene eher geschwächt. Lärm hat eine sehr starke soziale Komponente. Weniger einkommensstarke Bevölkerungsschichten können sich kein Eigenheim im Grünen leisten und wohnen häufiger an Strassen mit viel Durchgangsverkehr oder in der Nähe von Eisenbahnlinien. Oftmals ist es enorm schwierig, sich gegen diesen Lärm zu wehren. Lärmbetroffene haben politisch keine starke Lobby.

Welche Missverständnisse begegnen Ihnen beim Thema Lärmschutz am häufigsten?

Gerade bei der Verdichtung hört man oft, dass Lärmschutz Projekte verteuern oder gar behindern. Doch das ist sehr kurzfristig gedacht. Lärmbelastete Liegenschaften verlieren an Wert, sind wenig attraktiv, es gibt viele Mieterwechsel. Lärmschutz ist eine Investition in die Zukunft, welche den Wert einer Liegenschaft schützt.

Was wünschen Sie sich von Politik, Behörden und Bauwirtschaft für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass der Lärmschutz an Bedeutung gewinnt. In Anbetracht des Bevölkerungswachstums und auch des Wachstums des Verkehrs ist es unabdingbar, die Weichen jetzt zu stellen. Wir dürfen nicht die gleichen Fehler machen wie beim Klimaschutz.

Wie sieht für Sie der Lärmschutz der Zukunft aus?

Der beste Lärm ist der, der gar nicht entsteht. Es braucht also eine Verkehrswende – sowohl auf der Strasse als auch in der Luft. Auch wenn dies gegenwärtig Wunschdenken ist: Wir brauchen diesen Wandel – Zudem braucht es eine kluge, zukunftsgerichtete Planung in den Städten. Lärmschutzmassnahmen dienen oft auch dem Hitzeschutz – man denke z. B. an beschattete, begrünte Innenhöfe, Wasserspiele, Bäume. Zudem braucht es einen politischen Willen, die Bevölkerung gemäss dem Vorsorgeprinzip zu schützen. Ich bin sicher, dass Lärm indirekt einen ziemlich grossen Anteil an unseren hohen Gesundheitskosten hat.

Welche Entwicklung wird den grössten Einfluss auf die Lebensqualität entlang unserer Verkehrswege haben?

Den grössten Einfluss hätte es, wenn wir eine Verkehrswende schaffen würden: Weniger weit, mehr aus eigener Kraft und weniger häufig. Weiter sind Temporeduktionen die günstigsten Lärmschutzmassnahmen. Erst dann folgen z. B. Lärmschutzwände, besonders entlang von stark befahrenen Strassen. Kombiniert mit Solarpanels schlüge man zwei Fliegen mit einer Klappe.

Was möchten Sie Planern, Bauherren oder der Bevölkerung zum Thema Lärm mitgeben?

Lärmschutz ist Zukunftsschutz. Mit weniger Lärm sind wir gesünder und weniger gestresst. Die Planung muss den Menschen ins Zentrum stellen, nicht den Verkehr. Da gibt es noch sehr viel Luft nach oben.

 

Franziska Stucki

Franziska Stucki
Projektleiterin B+S AG, Bern

Welche Herausforderungen bringt die Planung von Lärmschutzprojekten entlang stark befahrener Verkehrsachsen mit sich?

Die grösste Herausforderung besteht darin, viele unterschiedliche Anforderungen gleichzeitig zu erfüllen. Eine Lärmschutzwand muss die gesetzlichen Lärmschutzvorgaben erfüllen, statisch sicher sein, dauerhaft funktionieren und sich in die bestehende Infrastruktur integrieren. Gleichzeitig sind Platzverhältnisse, Werkleitungen, Brücken, Entwässerung, Sichtverhältnisse sowie Unterhaltszugänge zu berücksichtigen. Hinzu kommt, dass die Arbeiten unter laufendem Verkehr stattfinden. Bauablauf, Arbeitssicherheit und möglichst geringe Verkehrsbehinderungen sind deshalb zentrale Bestandteile der Planung.

Beim 6-Streifen-Ausbau der A1 haben Sie ein komplexes Grossprojekt begleitet. Welche Erkenntnisse nehmen Sie daraus mit?

Bei einem Projekt dieser Grössenordnung wird deutlich, wie entscheidend eine frühzeitige und interdisziplinäre Planung ist. Lärmschutz kann nicht isoliert betrachtet werden, sondern muss mit Strassenbau, Kunstbauten, Geotechnik, Entwässerung, Werkleitungen, Umwelt und Verkehrsführung abgestimmt werden. Ebenso wichtig ist eine hohe Ausführungsgenauigkeit. Bereits kleine Abweichungen bei Einbauteilen können beim Einbau der Lärmschutzkonstruktion zu Schwierigkeiten führen.

Welche Faktoren entscheiden darüber, welche Art von Lärmschutz eingesetzt wird?

Die wichtigste Grundlage bilden die berechneten Lärmemissionen und die gesetzlichen Anforderungen. Hinzu kommen die örtlichen Platzverhältnisse, die Topografie, die erforderliche Wandhöhe, der verfügbare Baugrund sowie die Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus. Auch Unterhalt, Dauerhaftigkeit, Gestaltung und Nachhaltigkeit spielen eine wichtige Rolle. Bei Lavabetonelementen kommt zusätzlich ihre schallabsorbierende Oberfläche zum Tragen, welche störende Schallreflexionen reduziert.

Wie gelingt der Spagat zwischen Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und Gestaltung?

Ein gutes Lärmschutzprojekt berücksichtigt diese drei Aspekte von Beginn an. Funktionalität hat oberste Priorität, da die Schutzwirkung nachgewiesen werden muss. Gleichzeitig lassen sich durch standardisierte Elemente, eine optimierte Konstruktion und eine wirtschaftliche Montage die Kosten reduzieren. Die Gestaltung sollte nicht erst am Schluss betrachtet werden. Materialwahl, Oberflächenstruktur, Farbgebung und eine harmonische Einbindung in die Landschaft tragen wesentlich zur Akzeptanz der Bauwerke bei.

Welche Rolle spielt die Vorfertigung von Betonelementen bei grossen Infrastrukturprojekten?

Die Vorfertigung bietet erhebliche Vorteile. Die Elemente werden unter kontrollierten Bedingungen mit gleichbleibender Qualität hergestellt. Auf der Baustelle verkürzt sich dadurch die Bauzeit deutlich, was insbesondere an stark befahrenen Autobahnen wichtig ist. Kürzere Bauzeiten bedeuten weniger Verkehrsbeeinträchtigungen und höhere Arbeitssicherheit. Zudem ermöglicht die industrielle Fertigung eine hohe Massgenauigkeit und eine wirtschaftliche Serienproduktion.

Welche technischen Entwicklungen werden den Lärmschutz in Zukunft prägen?

Ein wichtiger Trend sind leistungsfähigere schallabsorbierende Materialien sowie optimierte Oberflächenstrukturen. Gleichzeitig gewinnen digitale Planungsmethoden wie BIM an Bedeutung, wodurch Planung, Koordination und Ausführung effizienter werden. Auch Nachhaltigkeit wird künftig stärker berücksichtigt. Dazu gehören ressourcenschonende Baustoffe, CO₂-reduzierte Betone und langlebige Konstruktionen mit geringem Unterhaltsaufwand.

Was macht aus Ihrer Sicht ein gelungenes Lärmschutzprojekt aus?

Die Anlage erfüllt ihre Schutzfunktion zuverlässig, fügt sich in die Umgebung ein, ist wirtschaftlich erstellt und verursacht über Jahrzehnte möglichst wenig Unterhalt.

Wie sieht für Sie der Lärmschutz der Zukunft aus?

Der Lärmschutz der Zukunft wird stärker ganzheitlich gedacht. Neben klassischen Lärmschutzwänden werden lärmarme Beläge, optimierte Verkehrsführungen und nachhaltige Baustoffe kombiniert. Ziel bleibt, den Lärm möglichst nahe an seiner Entstehungsquelle wirksam zu reduzieren.

Welche Entwicklung wird den grössten Einfluss auf die Lebensqualität entlang unserer Verkehrswege haben?

Den grössten Einfluss wird die Kombination verschiedener Massnahmen haben. Moderne lärmarme Fahrbahnbeläge, leisere Fahrzeuge, Tempomanagement und wirksame Lärmschutzanlagen ergänzen sich gegenseitig. Erst das Zusammenspiel dieser Massnahmen führt zu einer spürbaren Verbesserung der Lebensqualität für die Anwohnenden.

Was möchten Sie Planern, Bauherren oder der Bevölkerung zum Thema Lärm mitgeben?

Lärmschutz ist eine langfristige Investition in die Lebensqualität. Gute Lösungen entstehen, wenn technische Anforderungen, Wirtschaftlichkeit und die Bedürfnisse der Bevölkerung gleichwertig berücksichtigt werden. Sorgfältige Planung, hohe Ausführungsqualität und langlebige Bauwerke zahlen sich über Jahrzehnte aus und leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Mensch und Umwelt.

 

Sam Lanners

Sam Lanners
Co-Präsident Cercle Bruit Schweiz

Welche Auswirkungen hat dauerhafter Verkehrslärm auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden?

Dauerhafter Verkehrslärm ist weit mehr als eine Belästigung. Er beeinflusst unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden nachweislich. Besonders problematisch ist, dass unser Körper auch dann auf Lärm reagiert, wenn wir ihn im Schlaf nicht bewusst wahrnehmen. Wiederkehrende Lärmereignisse können das Stresssystem aktivieren und langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder Stoffwechselerkrankungen erhöhen.

Daneben wirkt sich Verkehrslärm auch auf unsere Lebensqualität aus. Wer ständig Lärm ausgesetzt ist, schläft schlechter, erholt sich weniger gut und nutzt den eigenen Balkon oder Garten oft deutlich seltener. Ruhe ist deshalb kein Luxus, sondern eine wichtige Voraussetzung für Gesundheit und Lebensqualität.

Wann wird Lärm zu einem echten Gesundheitsrisiko?

Ein Gesundheitsrisiko entsteht nicht erst bei sehr hohen Lärmpegeln. Entscheidend sind auch die Dauer der Belastung, ihre Häufigkeit und insbesondere der Zeitpunkt. Vor allem nächtlicher Verkehrslärm ist kritisch, weil er den Schlaf stören und unbewusste Stressreaktionen auslösen kann.

Dabei ist wichtig zu wissen, dass gesundheitliche Auswirkungen bereits unterhalb der gesetzlichen Immissionsgrenzwerte auftreten können. Die Grenzwerte definieren deshalb keine scharfe Grenze zwischen «gesund» und «ungesund», sondern bilden einen rechtlichen Rahmen für den vorsorglichen Schutz der Bevölkerung.

Wie verändert ein wirksamer Lärmschutz die Lebensqualität der Menschen?

Ein wirksamer Lärmschutz verbessert die Lebensqualität unmittelbar. Menschen schlafen besser, können sich besser erholen und verbringen wieder mehr Zeit draussen in ihrer unmittelbaren Umgebung. Gleichzeitig sinkt die gesundheitliche Belastung.

Es ist entscheidend, den Lärm möglichst an der Quelle resp. auf dem Ausbreitungsweg zu vermindern – beispielsweise durch lärmarme Strassenbeläge, angemessene Geschwindigkeiten oder Ausbreitungshindernisse. Solche Massnahmen kommen allen Anwohnenden zugute und schaffen gleichzeitig attraktivere öffentliche Räume.

Wo sehen Sie aktuell den grössten Handlungsbedarf beim Lärmschutz in der Schweiz?

Der grösste Handlungsbedarf besteht weiterhin beim Strassenverkehr, der mit Abstand die wichtigste Lärmquelle in der Schweiz ist. Obwohl in den vergangenen Jahrzehnten erhebliche Fortschritte erzielt wurden, sind nach wie vor sehr viele Menschen übermässigem Strassenverkehrslärm ausgesetzt.

Hat sich das Bewusstsein der Bevölkerung für das Thema Lärm in den letzten Jahren verändert?

Ja. Das Thema Lärm wird heute stärker als Gesundheits- und Lebensqualitätsthema wahrgenommen als noch vor einigen Jahren. Während früher häufig einzelne Lärmereignisse im Vordergrund standen, wächst heute das Bewusstsein dafür, dass insbesondere dauerhafte Lärmbelastungen gesundheitliche Folgen haben können. Gleichzeitig gewinnt auch der Wert von Ruhe zunehmend an Bedeutung.

Welche Missverständnisse begegnen Ihnen beim Thema Lärmschutz am häufigsten?

Ein häufiges Missverständnis besteht darin, dass Elektromobilität das Verkehrslärmproblem weitgehend lösen werde. Tatsächlich dominiert bei einem Personenwagen bereits ab etwa 25 km/h das Rollgeräusch zwischen Reifen und Fahrbahn. Deshalb bleiben lärmarme Beläge, geeignete Reifen usw. zentrale Massnahmen.

Was wünschen Sie sich von Politik, Behörden und Bauwirtschaft für die Zukunft?

Ich wünsche mir insbesondere mehr Sachlichkeit und weniger Polemik in der Diskussion über Temporeduktionen. Weder eine flächendeckende Einführung von Tempo 30 noch ein genereller Ausschluss dieser Massnahme auf verkehrsorientierten Strassen sind zielführend. Entscheidend ist eine sorgfältige Prüfung des Einzelfalls unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten, der gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie der angestrebten Ziele hinsichtlich Lärmschutz, Verkehrssicherheit und Verkehrsfunktion.

Wie sieht für Sie der Lärmschutz der Zukunft aus?

Der Lärmschutz der Zukunft wird integraler Bestandteil der Verkehrs- und Siedlungsplanung sein. Es geht nicht mehr nur darum, Grenzwerte einzuhalten, sondern ruhige und lebenswerte Räume aktiv zu erhalten und zu schaffen.

Technische Entwicklungen wie lärmarme Fahrbahnbeläge, leisere Reifen und Fahrzeuge werden dabei ebenso wichtig sein wie intelligente Verkehrsführung und eine sorgfältige Raumplanung. Gleichzeitig wird die Qualität von Ruhe als eigenständige Umweltressource weiter an Bedeutung gewinnen.

Welche Entwicklung wird den grössten Einfluss auf die Lebensqualität entlang unserer Verkehrswege haben?

Den grössten Einfluss wird die konsequente Verminderung des Lärms direkt an der Quelle haben. Das BAFU zeigt, dass insbesondere lärmarme Strassenbeläge und situationsgerechte Geschwindigkeiten ein sehr grosses Potenzial besitzen, die Zahl der vom Strassenlärm betroffenen Menschen deutlich zu reduzieren. Werden mehrere Quellenmassnahmen kombiniert, verstärkt sich ihre Wirkung zusätzlich.

Was möchten Sie Planern, Bauherren oder der Bevölkerung zum Thema Lärm mitgeben?

Langfristig wird entscheidend sein, dass Lärmschutz bereits bei der Planung von Strassen, Siedlungen und Mobilitätsangeboten mitgedacht wird. So lassen sich Gesundheitsschutz, Lebensqualität und eine nachhaltige Entwicklung am wirksamsten miteinander verbinden.

 

Stefan Rüegg

Stefan Rüegg
Product Manager Lärmschutz und Betonelemente MÜLLER-STEINAG Gruppe

Was macht ein gutes Lärmschutzelement aus?

Ein gutes Lärmschutzelement sollte ästhetisch ansprechend sein aber gleichzeitig nicht ins Auge stechen, einen der Situation entsprechenden Schallschutz bieten und den Umwelteinwirkungen standhalten und somit eine lange Lebensdauer aufweisen. In Kombination mit unserem eingesetzten, recycelbaren Baustoff Beton also ein gutes und nachhaltiges Lärmschutzelement.

Welche Vorteile bietet die Vorfertigung von Betonelementen gegenüber anderen Bauweisen?

Die Vorfertigung ermöglicht aufgrund der fehlenden Einflüsse durch Witterung und Temperatur eine höhere Qualität und einen deutlichen Zeitgewinn gegenüber der herkömmlichen Bauweise.

Welche Anforderungen stellen Bauherren heute an moderne Lärmschutzsysteme?

Bei der öffentlichen Hand liegt der Fokus auf den Absorptionswerten sowie der Dauerhaftigkeit. Zunehmend rückt auch die Nachhaltigkeit in den Vordergrund.

Private Bauherren bzw. ihre planenden Vertreter fordern aufgrund teurer Landpreise und bereits dicht bebauten Gebieten möglichst schlanke Lösungen.

Welche Herausforderungen begegnen dir bei der Produktion?

Die grösste Herausforderung in der Produktion liegt in der gleichmässig hohen Qualität unserer Produkte. Dazu gehören nebst der notwendigen Gleichmässigkeit der Ausgangsstoffe für den Beton auch eine effiziente Arbeitsvorbereitung in enger Zusammenarbeit mit der Produktion. Somit kann der steigende Zeitdruck entschärft werden.

Wie stellt ihr sicher, dass Qualität und Langlebigkeit gewährleistet sind?

Qualität bedeutet Langlebigkeit. Die Qualität prüfen wir im Zuge unserer werkseigenen Produktionskontrolle. Dabei werden nicht nur die Materialeigenschaften, sondern auch die Massgenauigkeit laufend überprüft und dokumentiert.

Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz bei der Herstellung?

Nachhaltigkeit und Ressourcen- wie auch Zeiteffizienz spielen in der Produktion eine wichtige Rolle. Nachhaltige Lösungen sind wir dem Auftraggeber und auch den nachfolgenden Generationen schuldig. Effizienz beim Material wie auch in der Herstelldauer ist eine Hauptaufgabe der Industrie, um am Markt bestehen zu können. Deshalb werden unsere Abläufe und Prozesse ständig überprüft und optimiert. Ein aktuelles Thema in unserer Branche ist der CO2-Gehalt unserer Produkte. Hier testen wir laufend den Einsatz neuer Produkte unserer Zulieferer, z. B. CO2-reduzierte Zemente oder auch effizientere Zusatzmittel, und integrieren diese in unsere Rezepturen.

Welche Entwicklung wird den grössten Einfluss auf die Lebensqualität entlang unserer Verkehrswege haben?

Die grosse Herausforderung ist, die Emissionen an der Quelle und die Immissionen beim Empfänger zu reduzieren. Dazu gehören Entwicklungen in der Belagstechnik, am Fahrzeugreifen resp. am Gleis und dem Lokomotiv- oder Wagenrad, sowie auch bei Schallschutzfenstern. Solange es nicht gelingt, auf diesem Weg die Lärmpegel unter die gesetzlichen Schwellenwerte zu bringen, braucht es unsere Produkte.

Was möchtest du Planern, Bauherren oder der Bevölkerung zum Thema Lärm mitgeben?

Bewährte, langlebige und recyclebare Produkte können einen wichtigen Beitrag zu nachhaltigen Bauvorhaben leisten. Die MÜLLER-STEINAG ELEMENT AG unterstützt Sie gerne bereits in der Planungsphase und zeigt Ihnen passende Möglichkeiten für die Umsetzung Ihres Projekts auf.