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Bahnübergang Kantonsstrasse Oberentfelden

Man glaubt es kaum, aber in der Schweiz gibt es nur zwei Bahngleiskreuzungen. Die eine befindet sich in Chur, die andere in Oberentfelden, wo sich die Wynental-Suhrental-Bahn mit der SBB-Linie kreuzt. Die präzise Schienenführung von Normalspur- und Mehrspurbahn ist nur dank den vorfabrizierten Betonelementen aus dem Werk Däniken möglich..

In Oberentfelden befindet sich also eine richtige Zugkreuzung – keine Weiche. Die Nationalbahn SBB kommt von Suhr oder Zofingen, die Regionalbahn WSB von Schöftland oder Aarau, auf dem Engelplatz kreuzen sie sich in einem Winkel von 58 Grad. Einzigartig ist, dass sich dabei zwei Fahrleitungen mit unterschiedlicher Spannung kreuzen. Die Wynental-Suhrental-Bahn fährt mit Gleichstrom, die SBB mit Wechsel-strom. Die Umschaltung der Spannung wurde bereits vor einigen Jahren technisch modernisiert.

WSB setzt auf Einzelstück

Doch das Gleiskreuz war bis anhin seit rund 20 Jahren im Einsatz
und total abgenutzt. Es musste ersetzt werden. «Durch den speziellen Kreuzungswinkel war es technisch nicht möglich, dafür eine klassische Weichenverbindung herzustellen», sagt Daniel Giger, Leiter Infrastruk-tur von AAR bus+bahn, zu der die WSB gehört. Das Gleiskreuz sei schon einige Male ersetzt worden, doch nie konnte die Konstruktion dauerhaft und zuverlässig überzeugen. «Das neue Gleiskreuz ist ein Einzelstück, das nur für uns produziert wurde», sagt Giger.

Möglichst ohne Betriebsausfall

Die grosse Herausforderung war dabei, ein Bahnelement aus Beton herzustellen, das exakt passt und sämtliche Anforderungen an Tragwiderstand und Präzision erfüllt. Denn die beiden Schienenkanäle müssen exakt passen, sonst würde die Schiene nicht parallel zur Aussparung verlaufen und das Zugrad hätte zwischen Schiene und Betonrand keinen Platz. Auch die Zeit für das Einbauen war knapp bemessen, da die Bahnen ja möglichst ohne Betriebsausfall funktionieren mussten.

Die Elemente wurden im Werk Däniken der MÜLLER-STEINAG Gruppe produziert. Thomas Leuthard, Projektverantwortlicher im Werk, betont: «Damit die Aussparungen genau gemäss Plan platziert werden konnten, betonierten wir die Elemente verkehrt, das heisst, die Sichtseite gegen unten und drehten sie danach. Um beim Versetzen und im Bahnbetrieb von Anfang an die notwendigen Tragwiderstandswerte zu erreichen, mussten wir die Elemente vier Wochen zuvor produzieren.»

Kreuzungen Strasse und Schiene ist normal

Auftraggeber für die Bahnkreuzelemente war die Firma Meier + Jäggi AG in Zofingen, mit der das Werk Däniken bereits seit 2003 zusammen-arbeitet. Bahnübergänge, bei denen sich Strasse und Schiene kreuzen, werden seit längerem mit diesem Typ von Betonelementen saniert. Das Werk Däniken stellt jeweils die Elemente her und transportiert sie zur Baustelle. Die Firma Meier + Jäggi AG übernimmt die Bauarbeiten vor Ort. Zuerst werden die Schienen abgebrochen und der Schotter wird entfernt. Dann wird das Erdreich ausgehoben. Nach dem Erstellen der Planie werden die Betonelemente exakt auf diese versetzt. Zum Schluss montiert man die neuen Gleise und der Gleiskanal wird mit spezieller Kunststoffmasse gefüllt.

Fristgerechter Einbau

Genau so wurde es auch in Oberentfelden umgesetzt. «Das alles brauchte enormes Timing, aber wir konnten den Versetztermin am 9. Juli 2016 plangemäss einhalten. Dank dieser Versetzarbeit an einem Samstag war die betreffende Linie nur übers Wochenende gesperrt», so Leuthard.

Thomas Leuthard
Thomas Leuthard
Product Manager
Technische Leitung / Ingenieur HTL